Das billige Geld ist Geschichte
Rotation in Anleihen könnte den AI Boom beenden
Aloha zusammen,
wir erleben aktuell an den globalen Märkten eine tektonische Verschiebung, die von der breiten Masse der Krypto- und Aktien-Händler auf Social Media fatalerweise ignoriert wird. Während sich die Retail-Käufer an täglichen Kursbewegungen abarbeiten, baut sich im Fundament des globalen Finanzsystems – dem Anleihenmarkt – ein monumentaler Druck auf.
Drei Anleihemärkte auf drei Kontinenten brechen im selben Moment. Es ist eine extrem schwierige Makro-Lage. Und ich sage es in aller Deutlichkeit vorweg: Dies ist absolut keine Zeit für unüberlegte Risk-On-Wetten. Wer jetzt blind investiert, läuft Gefahr, von der makroökonomischen Schwerkraft erdrückt zu werden.
Disclaimer: Die geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und sollten nicht als Anlageberatung herangezogen werden.
Globale Anleihen weisen den Weg
Wir müssen über den wichtigsten Markt der Welt sprechen, der aktuell lautstark Alarm schlägt. Die Renditen globaler Staatsanleihen explodieren synchron. Was wir hier sehen, ist kein vorübergehendes kleines Thema, sondern ein systemischer Vertrauensverlust.
USA: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe ist innerhalb kürzester Zeit um harte +28 Basispunkte auf 4,64 % geschossen. Schlimmer noch: Die 30-jährige US-Anleihe zahlt zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2007 wieder über 5 % Zinsen. Eine 25-Milliarden-Dollar-Auktion langlaufender Treasuries stieß auf extrem mäßige Nachfrage – Investoren fordern immer höhere Risikoaufschläge.
Großbritannien: Die Rendite für 30-jährige Gilts ist auf schmerzhafte 5,7 % explodiert – der höchste Stand seit März 1998.
Japan: Das Land, das drei Jahrzehnte in der Deflation verbrachte, sieht plötzlich eine Inflation von 4,9 %. Die Rendite der 40-jährigen japanischen Staatsanleihe ist auf 4,11 % gestiegen – der höchste Stand seit Einführung dieser Laufzeit im Jahr 2007. Die Bank of Japan steht unter massivem Druck, die Zinsen im Juni drastisch anzuheben.
EU: Die Eurozone liegt im Durchschnitt bei 3.67% für 30-jährige Anleihen im Vergleich noch relativ niedrig, was jedoch überwiegend auf Deutschland zurückzuführen ist. In Frankreich und Italien haben wir die 4,6% bereits überschritten.
Gleichzeitig fahren die historischen Käufer dieser Schulden ihre Bestände aggressiv zurück. Chinas Bestände an US-Staatsanleihen sind auf 653 Milliarden Dollar gefallen (Das ist das niedrigste Level seit September 2008). China halbiert seine Dollar-Schulden systematisch und schichtet in physisches Gold um. Auch japanische Investoren stoßen US-Bonds im schnellsten Tempo seit vier Jahren ab (alleine knapp 4%, $47.7 Milliarden, in einem einzigen Monat) (Quelle: Reuters)
Wenn die FED und ausländische Zentralbanken als Käufer ausfallen, müssen die Renditen steigen, um inländisches Kapital anzuziehen. Die Ära des billigen Geldes für Staaten scheint endgültig vorbei.
Geht Smart-Money von Bord?
Aktien stehen nahe ihren ATHs, weil man uns erzählt, die KI-Gewinne seien real. Die Anleiherenditen stehen auf Mehrjahrzehnte-Hochs, weil die Staatsschuldenberge real sind. Beide Märkte können nicht gleichzeitig recht haben. Und historisch betrachtet liegt der Anleihen-Markt selten falsch.
Wir stehen vor einer großen Rotation des Kapitals. Wenn Pensionskassen, Family Offices und HNWIs historisch hohe, praktisch “risikofreie” Renditen von 5 % oder mehr auf Staatsanleihen bekommen, schwindet der Appetit auf überbewertete Aktien rapide. Warum das volle Marktrisiko tragen, wenn die “sichere” Rendite auf der anderen Seite wartet und wohlmöglich die langfristige Inflation schlägt.
Ein Warnsignal kommt von der Bank of America: Das durchschnittliche Cash-Level globaler Fondsmanager ist im Mai von 4,3 % auf 3,9 % gefallen. Ein Cash-Bestand von unter 4,0 % löst das konträre Verkaufssignal der BofA für globale Aktien aus. Historisch bedeutete dieses Signal in der Mehrheit der Fälle signifikante Marktkorrekturen innerhalb der folgenden vier Wochen. Das Smart Money ist all-in gegangen und hat kein Pulver mehr, um die Kurse weiter zu stützen.
Was bedeutet das für Kredite und den Immobilienmarkt?
Die Hypothekenzinsen (Mortgage Rates) in den USA gehen Richtung 7 %-Marke (Quelle: Bankrate). Die Refinanzierungskosten für Unternehmen und Hauskäufer explodieren. Der Housing-Markt friert langsam ein, da sich niemand mehr das Bauen oder Kaufen zu diesen Konditionen leisten kann.
Exkurs: Bullenmarkt für Anleihen
Der letzte große Zinsgipfel war 1981 bei knapp 15,8 %. Der absolute Boden wurde 2020 bei 0,5 % erreicht. Das bedeutet: Ein 39-jähriger Bärenmarkt fallender Zinsen ist offiziell vorbei. Da stellt sich die Frage, ob wir am Beginn eines jahrzehntelangen Aufwärtszyklus der Zinsen stehen? Ist dies der Fall, wären Assets, die in einem solchen Umfeld realen Wert halten, harte Assets wie Gold, Silber, Rohstoffe und möglicherweise Bitcoin.
Uneinigkeit in Washington um den Iran-Krieg
Es ist leicht, den Konflikt im Nahen Osten zwischen Quartalsberichten und politischen Gipfeln zu vergessen – aber die Realität holt uns ein. Die strategisch kritische Straße von Hormuz bleibt weiterhin geschlossen. Der Krieg zieht sich nun schon so lange hin, dass der daraus resultierende Energieschock keineswegs mehr als vorübergehend eingestuft werden kann. Er hat sich tief in den Kern der Weltwirtschaft gefressen: Die Reallöhne sind zum ersten Mal seit drei Jahren ins Negative gedreht.
Auf politischer Ebene in den USA braut sich jetzt massiver Widerstand zusammen. In einer historischen 50-47 Abstimmung hat der US-Senat die Iran War Powers Resolution vorangetrieben. Nach sieben gescheiterten Anläufen hat der Senat damit das erste Mal die parteiübergreifende Kraft gefunden, um Trumps militärischem Vorgehen im Iran ohne explizite Kongress-Zustimmung rechtliche Fesseln anzulegen.
Ausschlaggebend war unter anderem, dass während das Pentagon die offiziellen Kosten mit 29 Milliarden Dollar beziffert, unabhängige Ökonomen die tatsächliche Belastung der US-Steuerzahler bereits im Bereich von fast 1 Billion Dollar schätzen - während Irans Raketenstellungen weiterhin zu 90 % einsatzbereit sind.
Da die Fronten verhärtet sind und Trump mit einem Veto droht, gibt es keinerlei Anzeichen für eine kurzfristige diplomatische Lösung im Iran. Für den Markt bedeutet das: Der Ölpreis bleibt erhöht. Wenn die monatliche Inflation (CPI) bei den aktuellen +0,4 % im Monat verharrt, steuern die USA bis zu den Midterms im November auf eine jährliche Inflationsrate von +5,2 % zu.
Das wirft auch ein nüchternes Licht auf das jüngste Treffen zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping. Die verkündeten Deals – wie Agrarkäufe über 17 Milliarden Dollar oder Flugzeug-Bestellungen von Boeing – waren reine Schaufensterpolitik für die Medien. Strukturell hat sich nichts bewegt. Die USA haben China nicht einmal um Unterstützung im Iran-Konflikt gebeten und beim Thema Taiwan gab es harte Warnungen aus Peking. An den geopolitischen Problemen und dem “Energieschock” änderte dieses Treffen absolut nichts.
AI-Produktivität: NBER-Zahlen bestätigen Verdacht
In meinem letzten Bericht habe ich meine Meinung bezüglich dem wirklichen Impact von AI beim Endnutzer (Firmen und Retail) geäußert. Nun bestätigt eine Umfrage des NBER (National Bureau of Economic Research) meine Skepsis der letzten Wochen:
89 % der Unternehmensführer geben an, dass die großflächige Einführung von KI die Arbeitsproduktivität in ihren Unternehmen bisher NICHT verbessert hat.
Zwar sind die Prognosen für die kommenden 3 Jahre etwas positiver, jedoch im Vergleich zu den getätigten Ausgaben für die AI-Infrastruktur scheint der reale Ertrag im operativen Geschäft bisher auszubleiben. Wenn die anstehenden Quartalsberichte der Tech-Firmen zeigen, dass die Margen durch die hohen AI-Kosten aufgefressen werden, ohne dass die Effizienz steigt, bricht möglicherweise das Fundament des gesamten Aktienmarktes zusammen.
Bitcoin: Hohe ETF-Abflüsse
Kommen wir zu Bitcoin. Die vergangene Woche hat meine Warnungen der letzten Reports auf schmerzhafte Weise bestätigt: Der jüngste Ausbruch wurde rein durch Hebel und Short-Covering getrieben, nicht durch nachhaltige Spot-Nachfrage.
Kurzzeitig schoss BTC über die $82k-Marke – nur um danach stark abzuverkaufen und das Wochenende unter $78k zu schließen. Dieser Rückgang hat über 657 Millionen Dollar an Liquidationen ausgelöst.
Das institutionelle Narrativ bröckelt massiv:
ETF-Kapitulation: Die Bitcoin Spot ETFs verzeichneten einen massiven Abfluss von 1 Milliarde USD in nur einer Woche. Dies beendet eine sechswöchige Serie von Zuflüssen. Bei den Ethereum ETFs flossen $255 Millionen ab
Institutionelle Gewinn-Mitnahmen: Die On-Chain-Daten von Glassnode zeigen eindeutig, dass Institutionen die Stärke genutzt haben, um Gewinne zu realisieren und Bestände abzubauen (Quelle: Coindesk)
Bezüglich des Clarity Acts: Ja, dass der Entwurf das Senate Banking Committee mit 15-9 passiert hat, ist ein Fortschritt. Aber das Gesetz ist meilenweit davon entfernt, rechtskräftig zu sein. Es steht nun die langwierige Abstimmung im Senatsplenum an. Der Markt hat das begriffen und die Nachricht als klassisches Sell the News abverkauft.
Mein Fazit & Portfolio Management
Bitcoin hat den Aufwärtstrend am 200-Tage-Durchschnitt bei $82,2k vorerst beendet. Wir sind (zum Zeitpunkt des Schreibens) unter der Kostenbasis der Short-Term Holder ($78,4k).
Die Preis-Level, auf die ich jetzt extrem genau schaue:
$78,4k: STH-Kostenbasis (Aktuell verloren)
$75,8k: Der 50-Tage-Durchschnitt (50 MA)
Mein Fazit: Sollten wir die Marke von $75k nach unten durchbrechen, erwarte ich eine schnelle Abwärtskaskade in die mittleren $60k. Dies wird die frühen Dip-Käufer, die bei $85k eingestiegen sind, möglicherweise zum Verkaufen bewegen und gleichzeitig einige Long-Positionen aus dem Markt nehmen.
Die FED-Futures preisen Zinssenkungen für 2026 komplett aus und sehen mittlerweile eine 39,5% - 56,7% Chance für eine Zinserhöhung zwischen Oktober bis Dezember.
Das makroökonomische Umfeld ist Gift für Risiko-Assets. An meinen Positionen verändere ich nichts, mein Cash bleibt auf der Seitenlinie. Neu einzusteigen ist aktuell reines Glücksspiel.
Maloha
Stay Humble. Stay Curious. Enjoy the Journey.
Disclaimer: Die geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und sollten nicht als Anlageberatung herangezogen werden.









