Das Saylor-Paradoxon: Wenn Milliarden den Preis nicht mehr halten
Bitcoin rutscht unter die ETF-Kostenbasis & weshalb wir vor einem ungemütlichen Juni stehen
Aloha zusammen,
nach einer spannenden letzten Woche und trotz vermutlich massiver Käufe durch Michael Saylor hat Bitcoin zum Wochenende die psychologisch wichtige Marke von 80.000 USD nach unten durchbrochen. Ausgelöst wurde dies unter anderem durch eine allgemeine Schwäche am Aktienmarkt am Freitag. Zum Zeitpunkt, an dem ich dies schreibe, sind wir zudem unter die Kostenbasis der Short-Term Holder (STH) und ETF-Besitzer gesunken.
Was bedeutet das nun für uns? In meinem letzten Makro-Update habe ich bereits beschrieben, dass ich die aktuelle Situation an den Märkten für überhitzt halte. Der Rücksetzer vom Freitag hat den Kryptomarkt direkt mit nach unten gezogen – und die Daten sprechen eine deutliche Sprache.
Disclaimer: Die geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und sollten nicht als Anlageberatung herangezogen werden.
Bröckelt der Saylor-Schild?
Es ist bemerkenswert: Michael Saylor hat in der letzten Woche rund 2 Milliarden USD in Bitcoin investiert. Normalerweise sollte eine solche Kaufkraft den Markt stützen oder sogar nach oben treiben. Doch die Realität sieht anders aus: Der Preis hat seitdem abverkauft. Wenn selbst solche Käufe den Verkaufsdruck nicht mehr kompensieren können, deutet das auf eine tieferliegende Schwäche hin.
Parallel dazu sehen wir bei den ETFs ein ernüchterndes Bild: An fünf der letzten sieben Handelstage gab es Netto-Outflows. Das Momentum der institutionellen Käufer scheint vorerst erschöpft zu sein.
Wenn Diamond Hands unfreiwillig entstehen
Aktuell kursieren auf X viele Charts, die zeigen, dass die Anzahl der Long-Term Holder (LTH) stark ansteigt. Viele interpretieren das als extrem bullisches Signal. Ich sehe das anders.
Man muss verstehen, wie diese Kohorte definiert ist: Eine Adresse gilt als LTH, sobald sie ihre Bitcoin länger als 155 Tage hält. Wenn wir nun einen Anstieg der LTHs sehen, ist das ein rein retrospektiver Effekt. Es handelt sich dabei um die Käufer, die den ersten großen Dip im Bereich von 85k–87k gekauft haben.
Die Realität ist jedoch, dass diese Käufer nun per Definition Long-Term Holder sind. Und sie sitzen massiv im Minus.
Historisch betrachtet sehen wir dieses Muster oft: Viele Personen kaufen nahe dem ATH. Wenn der Preis danach in einen Bärenmarkt übergeht, steigt die Anzahl der Holder weiter an – nicht aus Überzeugung, sondern weil sie auf ihren Verlusten sitzen und warten, bis sie irgendwann den Break-even-Punkt erreichen.
Oft dauerte es in der Vergangenheit Jahre, bis diese Positionen wieder über Wasser waren.
Für mich ist der Anstieg der LTHs aktuell also kein Zeichen von Stärke, sondern die Bestätigung, dass viele Anleger zu früh den Dip gekauft haben. Der Schmerz im Markt könnte erst dann enden, wenn auch diese Hände anfangen zu kapitulieren.
Funding Rates und fehlendes Spot-Interesse
Durch den Anstieg der vergangenen Wochen sind wir im Verhältnis von realisierten Gewinnen zu Verlusten wieder kurzzeitig in den positiven Bereich gerutscht. Das ist ein typisches Merkmal einer Bärenmarktrallye, wie wir sie in der Geschichte schon oft gesehen haben.
Auch die Funding Rates sind wieder leicht ins Positive gedreht. Das bedeutet, es gibt aktuell mehr Long- als Short-Positionen. Ein Großteil der Shorts wurde durch den jüngsten Anstieg aus dem Markt gespült; was ironischerweise einer der Hauptgründe für den Preiszuwachs war (Short Squeeze). Die aktuelle, eher vorsichtige Grundhaltung spiegelt die ungewisse makroökonomische Lage wider.
Was mir jedoch am meisten Sorgen bereitet: Das Spot-Interesse sinkt kontinuierlich. Ohne echte Nachfrage am Spot-Markt fehlt dem Markt das Fundament für einen nachhaltigen Aufwärtstrend.
Saisonalität: Sell in May und der Juni-Fluch
Wir gehen nun in eine Zeit, in der die Aktienmärkte statistisch gesehen schwächer performen. Besonders in sogenannten Midterm-Jahren verlaufen die Monate zwischen Mai und Oktober überwiegend negativ.
Viel spezifischer für uns ist jedoch der Blick auf den Juni. Statistisch gesehen ist der Juni der zweitschlechteste Monat für die Bitcoin-Performance. In Bärenmärkten ist er sogar mit Abstand der Monat mit dem heftigsten Downtrend – im Durchschnitt verliert Bitcoin hier 20,5 %.
Sollte sich dieses Muster wiederholen, steht uns ein sehr ungemütlicher Sommer bevor. Dies habe ich ja bereits mehrfach betont.
Mein Fazit & Portfolio Management
An meinen Positionen habe ich nichts verändert. Mein Dry Powder bleibt trocken. Für Personen, die aktuell noch nicht im Markt investiert sind – egal ob Long oder Short – ist dies kein Zeitpunkt zum Einstieg. Die Marktphase ist zu ungewiss, die Signale zu widersprüchlich.
Geduld ist die wichtigste Währung im aktuellen Umfeld. Wir warten darauf, dass der Markt uns eine klarere Richtung vorgibt, anstatt den ganzen Influencern auf Social Media hinterherzulaufen.
Maloha
Stay Humble. Stay Curious. Enjoy the Journey.
Disclaimer: Die geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und sollten nicht als Anlageberatung herangezogen werden.










