Kein Frieden. Kein Boden. Kein Momentum
SpaceX ist gelistet, Warsh spricht – und Bitcoin zeigt weiterhin keine Stärke
Aloha zusammen,
diese Woche war wieder vollgepackt mit Ereignissen, die sich auf den ersten Blick wie isolierte Schlagzeilen lesen, bei näherer Betrachtung aber alle auf denselben gemeinsamen Nenner einzahlen: ein Finanzsystem unter Druck, geopolitische Inszenierungen ohne echte Substanz und Märkte, die auf Basis von Hoffnung statt Fakten bewertet werden.
Eines vorweg: Was wir dieser Tage von der US-Administration an Politikführung geboten bekommen, ist schlicht und ergreifend eine Katastrophe. Dieses permanente Hin und Her – Frieden hier, kein Frieden da, Deal morgen, doch nicht – untergräbt jedes Vertrauen in politische Institutionen. Wer heute noch auf offizielle Statements wartet, um eine Investitionsentscheidung zu treffen, wartet auf etwas, das es nicht mehr gibt: Verlässlichkeit. Trump wollte sich den Friedensdeal als Geburtstagsgeschenk verpacken – der Iran hat das Päckchen schlicht nicht geliefert. Damit kein falsches Bild entsteht: Ich bewerte das hier nicht moralisch, sondern rein aus Marktsicht. Und die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Dieses geopolitische Spiel wird zunehmend ignoriert.
Let’s go.
Disclaimer: Die geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und sollten nicht als Anlageberatung herangezogen werden.
Geopolitik: Der Frieden, den niemand glaubt
Der Iran spielt nach wie vor nicht nach dem Skript Washingtons. Das ist keine Überraschung – und wer die letzten Reports gelesen hat, weiß, dass ich diese Entwicklung schon länger vorhergesagt habe. Was mich jedoch in dieser Woche beschäftigt: Die Märkte preisen einen Frieden ein, der nicht existiert. Und falls er doch kommt, ist vermutlich nicht viel Luft mehr nach oben.
Dazu eine wichtige Randnotiz, die kaum Beachtung findet: Die Ölreserven der USA sind auf einem kritisch niedrigen Stand. Der künstlich gedrückte Ölpreis wurde nicht durch geopolitische Entspannung erzielt, sondern durch den aggressiven Abbau strategischer Reserven. Dieser Puffer ist nun nahezu aufgebraucht. Ohne echten Waffenstillstand und eine Wiederöffnung der Straße von Hormuz wird der Ölpreis in den kommenden Wochen spürbar anziehen – mit direkten Konsequenzen für die Inflationszahlen und damit schnürrt er den ohnehin engen Handlungsspielraum der Fed in einem bereits stagflationären Umfeld.
Das ist kein Randthema. Es ist der Dreh- und Angelpunkt für alles, was in den nächsten Monaten an den Märkten passiert.
Makro: Warsh spricht – und der Markt hält die Luft an
Die Fed-Sitzung (FOMC) am Dienstag und Mittwoch ist in dieser Woche entscheidend. Eine Zinserhöhung ist diesmal nicht zu erwarten – zu eindeutig sind die Zeichen, dass man zunächst die Wirkung der bisherigen Maßnahmen beobachten will. Viel wichtiger ist das, was Kevin Warsh nach dem Meeting sagen wird. Es ist seine erste offizielle Pressekonferenz als Fed-Chef, und der Markt wird jedes Wort auf die Goldwaage legen.
Warsh ist kein Powell. Er hat nicht den Luxus, in einem Umfeld sinkender Zinsen zu agieren. Im Gegenteil: Er übernimmt das Steuer in einer Phase, in der die Inflation wieder steigt, die Fiskalpolitik mit 2 Billionen Dollar Jahresdefizit das System unter Druck setzt und die Energiepreise jederzeit einen Schock auslösen können.
Die EZB hat diese Woche die Leitzinsen erhöht. Die Bank of Japan wird nächste Woche aller Voraussicht nach nachziehen. Beide Zentralbanken agieren unter dem Druck einer Wirtschaftslage, die ihnen schlicht keine andere Wahl lässt. Für die USA gilt das noch nicht – aber die Frage ist nicht ob, sondern wann sich der Druck auch hier entlädt.
SpaceX: Der Börsengang ist durch – die Auswirkungen kommen noch
SpaceX ist erfolgreich an den Markt gegangen. Die kurzfristige Reaktion war erwartbar euphorisch. Doch die wirklichen Auswirkungen auf die Märkte werden wir erst in den kommenden Tagen und Wochen sehen – wenn die Nasdaq und weitere Indizes ab Freitag in ihre Positionen investieren dürfen und die Pflichtallokationen der passiven Fonds anlaufen.
Ich hatte das in den vergangenen Reports bereits beschrieben. Die Struktur dieses IPOs ist darauf ausgelegt, Kapital aus dem Markt zu saugen und frühen Investoren einen geordneten Exit zu ermöglichen. Retail dient als Liquiditätspuffer. Daran hat sich nichts geändert. Bereits am ersten Tag hat SpaceX ein Handelsvolumen von über $85 Milliarden erreicht, bei einer Bewertung von $2.1 Billionen.
Was ich im Auge behalte: Die verkürzten Seasoning-Perioden für Indexaufnahmen (von 90 auf 5 Tage) erzwingen massive Käufe durch passive Vehikel zu potenziell überhöhten Kursen.
Bitcoin: Niemandsland mit Restrisiko nach unten
Kommen wir zu Bitcoin.
Seit dem Tief vom vergangenen Freitag hat sich Bitcoin um knapp 9 % erholt. Das ist eine erwartbare technische Gegenbewegung nach einem Rücksetzer von fast 20 % in vier Tagen – nicht mehr und nicht weniger. Kein neues Kapital, kein Narrativ, kein Momentum.
Die ETF-Daten sprechen eine klare Sprache. Im vergangenen Monat gab es lediglich 3 von 23 Handelstagen mit positiven Flows. Der Juni läuft aktuell auf dem Kurs, den Mai (2,4 Milliarden Dollar Outflows) noch zu übertreffen. Das ist ein klares Sentiment-Zeichen der institutionellen Investoren.
Sowohl das Spot- als auch das Futures-Volumen befinden sich im Sinkflug. Das ist kein außergewöhnliches Marktphänomen – es ist ein exaktes Spiegelbild des Bärenmarktes von 2022. Wir sind in bekanntem Terrain. Auch Retail investiert gerade in AI-Aktien, nicht in Bitcoin.
Was mich bei der aktuellen Stimmung besonders interessiert: Wir nähern uns dem Punkt, den ich schon länger beobachte. Die Personen, die seit dem Allzeithoch im Oktober gehalten oder nach den ersten Rücksetzern aggressiv nachgekauft haben, werden zunehmend frustriert. Noch beschweren sie sich. Noch halten sie. Doch genau dieser Übergang – vom Beschweren zum Kapitulieren – ist der Moment, auf den ich warte. Wenn diese letzte Gruppe aufgibt, entsteht das Umfeld für einen echten Boden.
In den vergangenen Zyklen war es meist ein externes Ereignis, das diesen Kipppunkt ausgelöst hat. FTX 2022 zum Beispiel. Die Frage für diesen Zyklus: Was wird dieses Event sein? Saylor, der weitere Bitcoin verkauft? Ein scharfer Abverkauf an den Aktienmärkten? Eine Kombination aus beidem? Das bleibt offen.
Meine These bleibt unverändert: Das Tief ist noch nicht erreicht
Gold: Korrektur im Aufwärtstrend
Der Goldmarkt schwächelt derzeit, was maßgeblich auf den Liquiditätsentzug durch China zurückzuführen ist. Das ist ein temporäres Phänomen, kein Trendwechsel. Langfristig bleibt Gold für mich das überzeugendste Asset in einem stagflationären Umfeld – insbesondere wenn die Fed irgendwann gezwungen ist, die Anleiherenditen über Yield Curve Control zu deckeln, während die Inflation hoch bleibt.
Altcoins: Qualität statt Spekulation
Ein abschließender Gedanke zu Altcoins, da mich einige danach gefragt haben. In dieser Marktphase interessieren mich ausschließlich Projekte und Netzwerke, die echten, messbaren Cashflow generieren – also Gewinne erwirtschaften, nicht nur Hype produzieren. Das ist der Selektionsfilter, den ich anlege, wenn ich in solchen Phasen nach künftigen Positionen Ausschau halte.
Wer heute in Hype-Coins investiert, die kein Business dahinter haben, kauft Spekulation auf Narrative, die in einem Bärenmarkt erfahrungsgemäß am stärksten abgestraft werden. Die Chancen kommen – aber sie kommen nicht durch blindes FOMO, sondern durch Geduld und klare Kriterien.
Fazit & Portfolio
Die Märkte sind weiterhin auf wackeligen Beinen. Kein echter Frieden im Nahen Osten, ein Fed-Chef, der seinen ersten Balanceakt vor der Öffentlichkeit absolviert, explodierende IPO-Bewertungen, die Kapital binden – und Bitcoin, das einfach keine inhärente Stärke zeigt.
An meinen Positionen ändert sich nichts:
Bitcoin Short bleibt aktiv. Ziel: Kurse unter 50.000 Dollar
Nasdaq Short läuft weiter, erste Gewinne bereits realisiert
Großteil des Kapitals bleibt defensiv geparkt
Edelmetalle bleiben strategisch im Fokus für das stagflationäre Szenario
Die nächsten Wochen über den Sommer werden spannend. Ich schaue genau hin.
Das war es für heute - Ich hoffe, ich konnte einige wertvolle Einblicke in meine Gedanken liefern.
Maloha
Stay Humble. Stay Curious. Enjoy the Journey.
Disclaimer: Die geäußerten Ansichten sind die persönlichen Ansichten des Autors und sollten nicht als Anlageberatung herangezogen werden.










